Hormonrezeptoren erklärt: Das Schlüssel-Schloss-Prinzip

Hormonrezeptoren Schlüssel-Schloss-Prinzip

Kurz gesagt:

  • Ein Hormon wirkt nur, wenn es auf seinen passenden Rezeptor trifft, nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip.

  • Weil besonders viele Östrogenrezeptoren im Brustgewebe sitzen, reagiert die Brust am Anfang einer bioidentischen Hormonanwendung oft.

  • Wird über längere Zeit zu bioidentischem Östrogen zusätzlich körperidentisches Progesteron zugeführt, wandeln sich diese Rezeptoren nach und nach in Progesteronrezeptoren um, wodurch Blutungen seltener werden, bis sie irgendwann ganz versiegen.

  • Ab Mitte fünfzig bilden sich Hormonrezeptoren zurück, das Fenster für eine Hormongabe bleibt aber oft noch lange offen.

  • Verlieren Rezeptoren altersbedingt ihre Funktion, bildet der Körper keine neuen nach – eine Pause ändert daran nichts.

Als ich mit bioidentischen Hormonen startete, reagierten meine Brüste so stark, dass ich sie beim Aufstehen kurz festhalten musste.

Mit ca. 30 wurde bei mir eine Brustzyste festgestellt. Brustschmerzen kannte ich aus der Zeit vor der Periode, dem PMS (= prämenstruelles Syndrom), aber so stark wie unter der Hormonanwendung waren sie zuvor nie.

Der Grund dafür liegt in der Verteilung der Rezeptoren: In der Brust sitzen besonders viele Östrogenrezeptoren, deshalb kann das Brustgewebe am Anfang einer bioidentischen Hormontherapie stärker reagieren als andere Bereiche des Körpers. Bei mir zeigte sich das durch die vorhandene Zyste noch deutlicher.

Nach passenden Hormonanpassungen war das Beschwerdebild rasch unter Kontrolle und ist in mittlerweile fast neun Jahren nicht wieder aufgetreten.

Stehst du selbst am Anfang deiner Anwendung mit bioidentischen Hormonen oder erinnerst du dich an deinen eigenen Start, ist dir dieses Gefühl vielleicht bekannt. Verantwortlich dafür ist der Hormonrezeptor, ein Thema, das mir Stefanie aus einer meiner Internetgruppen vorgeschlagen hat.

Ein Hormonrezeptor ist ein Eiweißmolekül in oder an einer Zelle, an das sich ein bestimmtes Hormon bindet und darüber eine biologische Reaktion auslöst. Rezeptoren sitzen ausschließlich in den Zellen, die auf ein bestimmtes Hormon reagieren sollen, alle anderen Zellen bleiben außen vor. Ein Hormon wirkt nur, wenn es auf den passenden Rezeptor trifft, nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip.

Östrogen und Progesteron sind fettlöslich und gelangen problemlos durch die äußere Zellhülle ins Innere der Zelle. Jedes Hormon bindet ausschließlich an seinen eigenen Rezeptortyp: Östrogen beispielsweise an den Östrogenrezeptor, Progesteron an den Progesteronrezeptor. Eine Verwechslung ist ausgeschlossen.

Im Zellinneren wartet der passende Rezeptor, in dessen Bindungstasche sich das Hormon exakt einfügt. Erst dieser verbundene Komplex wandert weiter in den Zellkern und aktiviert dort bestimmte Genabschnitte. So kann die Zelle ihre Aufgaben erfüllen: Östrogen regt zum Beispiel den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut an, Progesteron stabilisiert sie.

Nicht nur die Brust reagiert. Auch im höheren Alter, mit 60, 70 oder älter, sind vorübergehende Blutungen unter bioidentischen Hormonen keine Seltenheit.

Solange genügend funktionsfähige Rezeptoren in der Gebärmutterschleimhaut vorhanden sind und bioidentische Hormone zugeführt werden, kann sich neue Schleimhaut aufbauen. Am Anfang einer Hormonanwendung besteht noch keine Balance.

Je näher der Hormoneinstieg an der letzten Periode liegt, desto aktiver sind die Rezeptoren noch. Bei den meisten Frauen werden die Blutungen mit der Zeit seltener, obwohl die Dosierung unverändert bleibt. Dafür gibt es einen Grund: Östrogenrezeptoren sorgen für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Wird über lange Zeit zusätzlich Progesteron zugeführt, ist dieses Hormon am Rezeptor stärker und wandelt die Östrogenrezeptoren in der Schleimhaut nach und nach in Progesteronrezeptoren um. Östrogen findet an der Schleimhaut dadurch zunehmend weniger passende Rezeptoren, neue Schleimhaut wird seltener aufgebaut, und die Blutungen versiegen im Laufe der Zeit, wie Dr. Rimkus es beschreibt.

Da mein eigener Start sehr zeitnah nach der letzten Periode lag, hatte ich zu Beginn Blutungen in kurzen Abständen. Obwohl mir die biologischen Abläufe bekannt waren, hat es an meinen Nerven gezehrt. Zweifel meldeten sich: „Warum dauert das bei mir so lange? Mache ich etwas falsch oder klappt das bei mir nicht?“ Diese und ähnliche Gedanken kenne ich nur zu gut!

Ab Mitte fünfzig bilden sich Hormonrezeptoren zurück, das Fenster für eine Hormongabe bleibt oft trotzdem lange offen. Bei den meisten Frauen sind auch in der Postmenopause noch genug Rezeptoren intakt, damit bioidentische Hormone am Rezeptor andocken können. Je später der Einstieg, desto eher sind Abstriche beim Wohlbefinden möglich, doch selbst mit sechzig oder später ist laut Dr. Dr. Beck noch viel erreichbar: Seine ältesten Patienten waren über 80, als sie mit bioidentischen Hormonen begannen.

In höherem Alter arbeiten Stoffwechselprozesse in den Zellen langsamer, zudem sinkt die Zahl der Mitochondrien (Zellkraftwerke), sodass dem Körper weniger Energie für diese Aufgaben zur Verfügung steht. Verlieren vorhandene Rezeptoren altersbedingt ihre Funktion, bildet der Körper keine neuen nach, eine Pause ändert daran nichts.

Die Vorstellung, man müsse pausieren, um die Rezeptoren zu schonen, hält einer näheren Betrachtung nicht stand. Es gibt keinen biologischen Grund, die Rezeptoren zeitweise hormonfrei zu halten. (Eine Hormonpause kann aus anderen Gründen trotzdem sinnvoll sein.)

Schlüssel und Schloss sind im Körper so fein aufeinander abgestimmt, dass körpereigene und bioidentische Hormone keine Belastung darstellen. Ein Schloss nutzt sich nicht ab, nur weil der passende Schlüssel darin gedreht wird.

Hormone docken zwar alle an Rezeptoren an, aber nicht auf dieselbe Weise. Für die biologische Wirkung zählt die Form des Moleküls.

Bioidentische Hormone sind exakte Zwillinge der körpereigenen Hormone, mit derselben Form. Sie legen sich genau in die Andockstelle, wie ein Schlüssel ins dafür vorgesehene Schloss.

Synthetische Hormone werden im Labor gezielt verändert, um Eigenschaften wie eine längere Wirkdauer zu erreichen. Dadurch unterscheiden sie sich in ihrer Struktur von den körpereigenen Hormonen, was dazu führen kann, dass sie am Rezeptor andere biologische Signale auslösen.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Wenn bioidentische Hormone so passend sind, warum berichten nicht wenige von ihrem steinigen Weg?
Meine eigene Anfangszeit mit Blutungen und Brustschmerzen war turbulent. Zum Glück hatte mein damaliger Rimkus-Therapeut Lösungen parat. Über die Jahre habe ich meine Anwendung zusätzlich selbst „feinjustieren“ können.

Das hat mir gezeigt: Man muss nicht hilflos zusehen und alles hinnehmen. Versteht man erst einmal, wie man den Körper unterstützen kann, wandelt sich Unsicherheit rasch wieder in Beruhigung und Vertrauen ins eigene Tun.

Trotzdem gab es Momente, in denen ich gezweifelt habe. Obwohl ich wusste, dass ich für mich den richtigen Weg eingeschlagen hatte, haben mich diese Beschwerden zeitweise ziemlich verunsichert. Deshalb kann ich heute gut nachvollziehen, wie es anderen in dieser Situation geht.

Heute weiß ich: Es lohnt sich, dranzubleiben und sich von unerwarteten Reaktionen weniger aus der Ruhe bringen zu lassen. Deshalb liegt es mir am Herzen, anderen Mut zu machen: Anfangsschwierigkeiten müssen nicht bedeuten, dass der eingeschlagene Weg der falsche ist. Es braucht ein gewisses Maß an Geduld.

Der hormonelle Rückgang entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich ab der Prämenopause über viele Jahre. Deshalb braucht der Körper auch bei einer hormonellen Unterstützung ausreichend Zeit – und jemanden an der Seite, der weiß, worauf es ankommt.

Gerade am Anfang steht man oft vor einer Flut an Informationen und fühlt sich davon erschlagen. Mit eigenem Wissen wächst die Sicherheit. Wer die Zusammenhänge zunehmend versteht, nimmt die passenden Fragen mit in das nächste Arztgespräch. Mit der Zeit hältst du die Zügel deiner Gesundheit selbst in der Hand.

Warum reagiert die Brust am Anfang einer bioidentischen Hormontherapie oft stark?

In der weiblichen Brust sitzen besonders viele Östrogenrezeptoren. Am Anfang einer Anwendung besteht noch keine Balance, deshalb kann das Brustgewebe stärker reagieren als andere Bereiche.


Ist es normal, mit 60 oder 70 noch Blutungen unter bioidentischen Hormonen zu bekommen?

Ja. Solange genug funktionsfähige Rezeptoren in der Gebärmutterschleimhaut vorhanden sind, kann sich unter Hormonzufuhr neue Schleimhaut aufbauen. Mit der Zeit wandeln sich diese Rezeptoren um und Blutungen versiegen.

Muss man Hormonpausen einlegen, damit sich Rezeptoren erholen?

Ein biologischer Grund dafür besteht nicht. Rezeptoren nutzen sich durch passgenaue bioidentische Hormone nicht ab. Eine Hormonpause kann jedoch aus anderen Gründen sinnvoll sein.

Was unterscheidet bioidentische von synthetischen Hormonen am Rezeptor?

Bioidentische Hormone besitzen dieselbe Form wie körpereigene Hormone und docken exakt an.
Synthetische Hormone sind strukturell verändert, wodurch sie am Rezeptor andere Signale auslösen können.

Bitte beachte:
Meine Tätigkeit gehört zu den freien Gesundheitsberufen. Sie dient der Gesundheitsvorsorge und dem Wohlbefinden. Meine Website umfasst mein Wissen zur Rimkus-Methode, das ich in Rimkus-Intensivseminaren erlernt habe, die von Dr. Volker Rimkus, Dr. Dr. Thomas Beck und Dr. Eduard Rosler durchgeführt wurden. Ergänzt durch persönliche Informationen der vorgenannten Personen, den führenden Ärzten im Zusammenhang mit der Rimkus-Methode. Zusätzlich meinen umfangreichen Erfahrungsschatz, den ich mir über die Jahre in Bezug auf die Rimkus-Methode angeeignet habe.
Des Weiteren enthält meine Website weitere Inhalte zu verschiedenen Themen auf Gesundheitsvorsorge bezogen.
Tipps betreffen gesunde Lebensführung, Gesundheitsprävention und Resilienz im Alltag. Sie ersetzen keine ärztliche Abklärung oder Behandlung.
Dieser Blog-Beitrag ist keine Empfehlung, keine Therapie und kein Wirkversprechen. Es ist meine persönliche Erfahrung, Beobachtung und Meinung.