Östrogen ist nicht gleich Östrogen

Östrogen: Östron Östradiol Östriol Östetrol

Ein Buchstabe sorgt für Verwirrung

Im Deutschen schreiben wir Östrogen mit Ö, im Englischen fällt das O weg (Estrogen), und im britischen Sprachraum bleibt das traditionelle Oe erhalten (Oestrogen). So unterschiedlich die Schreibweisen klingen, gemeint ist überall dieselbe Hormonfamilie.

Die eigentliche Verwirrung entsteht an anderer Stelle. Wer von Östrogen spricht, meint selten ein einzelnes Hormon, sondern einen Oberbegriff für ein ganzes Team aus verwandten Substanzen. Das bekannteste und wirksamste Mitglied dieser Familie trägt einen eigenen Namen: Östradiol.

Vier Hormone, eine gemeinsame Familie

Die körpereigenen Formen von Östrogen unterscheiden sich chemisch durch die Anzahl ihrer Hydroxygruppen (OH-Gruppen), und genau daher stammen ihre Namen: Östron mit einer OH-Gruppe, Östradiol mit zwei, Östriol mit drei und Östetrol mit vier. Sie werden im Körper ineinander umgewandelt, wobei Östradiol das wichtigste und stärkste Mitglied der Gruppe bleibt.

Spätestens ab Menopause ist Östron höher als Östradiol

Mit nur einer OH-Gruppe zeigt Östron eine vergleichsweise schwache direkte Hormonwirkung, etwa zehn Prozent der Wirkung von Östradiol. Gebildet wird es mithilfe des Enzyms Aromatase überwiegend aus Androstendion. Vor den Wechseljahren stammt es zur Hälfte aus den Eierstöcken, zu einem kleinen Teil aus den Nebennieren, der Rest entsteht in anderen Geweben wie dem Unterhautfettgewebe. In und nach den Wechseljahren übernimmt DHEA aus Eierstöcken und Nebennieren die Hauptrolle bei seiner Bildung. Der Östron-Spiegel liegt in dieser Phase üblicherweise höher als der von Östradiol.

Lange galt Östron vor allem als Vorstufe oder Speicherform und Abbauprodukt von Östradiol. Neuere Forschung zeigt jedoch, dass es selbst biologisch aktiv ist und eigene Wirkungen entfalten kann. Wie diese Wirkungen im Vergleich zu Östradiol bei Frau und Mann im Detail zu bewerten sind, wird derzeit weiter untersucht.

Kein anderes Östrogen ist so stark wie Östradiol

Mit zwei OH-Gruppen ist Östradiol rund zehnmal so stark wie Östron und etwa 80- bis 100-mal so stark wie Östriol. Bei Frauen entsteht es größtenteils in den Granulosazellen der Eierstöcke aus Östron, wobei die Umwandlung auch in die andere Richtung verlaufen kann. Kleinere Mengen bildet der Körper in der Nebennierenrinde, im Gehirn und im Gefäßsystem – bei Männern zusätzlich in den Hoden. Bei beiden Geschlechtern entsteht Östradiol außerdem mithilfe des Enzyms Aromatase aus Testosteron, beim Mann als Hauptquelle.

Ein Teil der Bildung wird auch im Fettgewebe vermutet. Dr. Rimkus widerspricht dieser These allerdings, da übergewichtige Menschen nach seiner Beobachtung keine höheren Östrogenspiegel aufweisen und eine Fettzelle aus seiner Sicht zu einfach aufgebaut ist, um diese Rolle zu übernehmen.

Wann Östriol als bioidentische Creme?

Mit drei OH-Gruppen ist Östriol ein Abbauprodukt des Östrogenstoffwechsels und wirkt vor allem an den Schleimhäuten von Vagina, Gebärmutter und Blase. Trotz kurzer Halbwertszeit am Rezeptor und schwacher direkter Hormonwirkung schützt und regeneriert es gezielt das Gewebe in diesem Bereich. Deshalb ist es in Form von bioidentischen Cremes, Salben und Gels erhältlich, die Frauenärzte bei der Anwendung von Fertighormonen dauerhaft zur Unterstützung der vaginalen Gesundheit empfehlen.

Wird die Hormonanwendung, wie Dr. Rimkus sie beschreibt, im Original umgesetzt, ist Östriol meiner Erfahrung nach normalerweise nur zu Beginn nötig, bis die individuellen von ihm erforschten Wertebereiche erreicht sind. Das berichten mir sowohl Klientinnen als auch Ärzte, die mit dieser Hormontherapie arbeiten. Beim Mann kommen diese Produkte nicht zum Einsatz.

In der Schwangerschaft steigt der Östriol-Spiegel sehr stark an, stärker sogar als der von Östradiol. Wie bei Östron ist noch zu wenig darüber bekannt, welche Wirkungen es im Körper von Frau und Mann zeigt.

Östetrol wartete sechzig Jahre auf seinen Einsatz

Mit vier OH-Gruppen bildet das ungeborene Kind Östetrol während der Schwangerschaft in der eigenen Leber. Außerhalb einer Schwangerschaft kommt es im Körper erwachsener Frauen nicht natürlich vor, Das gilt auch für Männer. Für medizinische Anwendungen wird es heute im Labor synthetisch, aber mit identischer Molekularstruktur, also körperidentisch, hergestellt.

Entdeckt wurde Estetrol bereits 1965 in Schweden, als Forscher bemerkten, dass ungeborene Babys ein ganz eigenes Östrogen bilden. Ein Potenzial als Wirkstoff erkannte damals niemand, und die Entdeckung verschwand für Jahrzehnte in der Versenkung. Erst im Jahr 2000 griff man sie wieder auf, und es gelang, E4 aus Pflanzenstoffen herzustellen. Nach der ersten Nutzung in Verhütungspillen, gemeinsam mit synthetischem Gestagen, eröffnete Östrogen Nummer vier im Frühjahr 2026 als Mono-Präparat „Fylrevy“ für die Wechseljahre ein neues Kapitel.

Untersucht wurde dabei ausschließlich die Wirkung auf Hitzewallungen. In den Zulassungsstudien zeigte sich zwar ein besseres Ergebnis als bei einem Placebo, der tatsächliche Zusatznutzen fiel jedoch eher gering aus. Laborstudien deuten zudem darauf hin, dass Östetrol im Brustgewebe rund hundertfach schwächer wirkt als Östradiol. Trotzdem gehören Brustspannen und Brustschmerzen laut EMA, der Europäischen Arzneimittel-Agentur, zu den häufigen Nebenwirkungen von Fylrevy. Meine Vermutung dazu: Das fehlende Progesteron könnte hier eine Rolle spielen.

Zugelassen ist Fylrevy zudem erst für Frauen, die seit mindestens zwölf Monaten keine Regelblutung mehr hatten oder ohne Gebärmutter sind, also erst ab der offiziell festgestellten Postmenopause. Was bleibt für die Zeit davor? In meiner eigenen Erfahrung waren halbstündliche Hitzewallungen nach meiner letzten Periode eine echte Belastung.

Hitzewallungen lassen sich meiner Erfahrung nach bereits mit vergleichsweise geringen Mengen bioidentischer Hormone in den Griff bekommen – sogar über die Haut aufgetragen, da hierfür nur ein verhältnismäßig niedriger Östrogenwert nötig ist. Das aber mit deutlich mehr Vorteilen: Nicht nur für ein einzelnes Symptom.

Fylrevy ist ein neu zugelassenes Medikament, zu dem bislang keine Langzeiterfahrungen vorliegen und das sich bisher auf eine einzige mögliche Linderung konzentriert. Ob es eine Überlegung wert ist, kann letztlich nur jede Frau für sich selbst entscheiden.

Häufige Fragen zu Östrogen

Was ist der Unterschied zwischen Östrogen und Östradiol?

Östrogen ist der Sammelbegriff für eine Hormonfamilie mit vier Mitgliedern: Östron, Östradiol, Östriol und Östetrol. Östradiol ist das bekannteste und wirkstärkste einzelne Hormon innerhalb dieser Familie.

Welches Östrogen ist im Körper am wirksamsten?

Östradiol (E2) gilt als das stärkste der vier Östrogene. Es wirkt etwa zehnmal so stark wie Östron und 80- bis 100-mal so stark wie Östriol.

Was ist Östetrol und wofür wird es eingesetzt?

Östetrol (E4) ist das vierte Östrogen und wird natürlicherweise nur während der Schwangerschaft in der Leber des ungeborenen Kindes gebildet. Zunächst kam es als Verhütungspille in Verbindung mit synthetischem Gestagen zum Einsatz. Seit Frühjahr 2026 ist es als Mono-Präparat namens Fylrevy für Frauen in der Postmenopause zur Linderung von Hitzewallungen zugelassen.

Warum tragen Östron, Östradiol, Östriol und Östetrol unterschiedliche Namen?

Die Namen leiten sich von der Anzahl ihrer Hydroxygruppen (OH-Gruppen) ab: Östron besitzt eine, Östradiol zwei, Östriol drei und Östetrol vier.

Bitte beachte:
Meine Tätigkeit gehört zu den freien Gesundheitsberufen. Sie dient der Gesundheitsvorsorge und dem Wohlbefinden. Meine Website umfasst mein Wissen zur Rimkus-Methode, das ich in Rimkus-Intensivseminaren erlernt habe, die von Dr. Volker Rimkus, Dr. Dr. Thomas Beck und Dr. Eduard Rosler durchgeführt wurden. Ergänzt durch persönliche Informationen der vorgenannten Personen, den führenden Ärzten im Zusammenhang mit der Rimkus-Methode. Zusätzlich meinen umfangreichen Erfahrungsschatz, den ich mir über die Jahre in Bezug auf die Rimkus-Methode angeeignet habe.
Des Weiteren enthält meine Website weitere Inhalte zu verschiedenen Themen auf Gesundheitsvorsorge bezogen.
Tipps betreffen gesunde Lebensführung, Gesundheitsprävention und Resilienz im Alltag. Sie ersetzen keine ärztliche Abklärung oder Behandlung.
Dieser Blog-Beitrag ist keine Empfehlung, keine Therapie und kein Wirkversprechen. Es ist meine persönliche Erfahrung, Beobachtung und Meinung.