Östrogendominanz? Was in der Perimenopause wirklich passiert

Perimenopause Östrogendominanz dosieren

Mich hat schon länger interessiert, weshalb heute fast nur noch von der Perimenopause gesprochen wird und wohin die Prämenopause verschwunden ist. Dem wollte ich auf den Grund gehen. Auch deshalb, weil ich immer öfter von Frauen höre, sie seien in der Perimenopause, hätten eine Östrogendominanz und durch das ständige Auf und Ab des Östrogenspiegels wüsste man nicht, wie dosiert werden könnte.

Meine Antwort darauf: Es geht! Was wie ein unlösbares Rätsel wirkt, ist einfacher, als gedacht. ☺️

Warum sprechen heute alle von der Perimenopause und nicht mehr von der Prämenopause?

Die Begriffe haben sich überschnitten. Früher sprach man vom Klimakterium, der Zeit, in der der Körper von der fruchtbaren in die unfruchtbare Lebensphase übergeht. 1981 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erste Empfehlungen für einheitliche Begriffe wie Prä- und Perimenopause, Menopause und Postmenopause. Damit standen mehrere Wörter nebeneinander und besonders die Prämenopause überlappte sich: Mal war die Zeit kurz vor der letzten Blutung gemeint, mal die gesamte Zeit davor.

1996 änderte die WHO die Einteilung: Seitdem steht die Prämenopause für die gesamte fruchtbare Lebensphase, von der ersten bis zur letzten Regelblutung. Die Perimenopause überschneidet sich damit teilweise: Sie beginnt, sobald sich Zyklusveränderungen bemerkbar machen. Einen konkreten Zeitpunkt nannte die WHO allerdings nicht. Sie endet ein Jahr nach der letzten Blutung.


Wie ordnet Dr. Dr. Beck Prämenopause und Perimenopause ein?

Dr. Dr. Beck beschreibt die Prämenopause als die Zeit der allmählich ausbleibenden Eisprünge, etwa zwischen 35 und 45 Jahren. Östrogen ist zu diesem Zeitpunkt noch in normaler Höhe vorhanden. Dieses Ungleichgewicht wird häufig Östrogendominanz genannt. Im Endeffekt handelt es sich um einen Progesteronmangel, denn Östrogen ist nicht „zu viel“ (dominant) vorhanden, es ist nur „alleine“.

Die Perimenopause schließt er direkt an. Er beschreibt damit eine verhältnismäßig kurze Dauer von etwa ein bis zwei Jahren vor der Menopause, in der Östrogen-Spitzen und -Kellerwerte abwechseln. Eisprünge finden immer schwächer oder gar nicht mehr statt, der Progesteronspiegel bleibt dadurch dauerhaft niedrig.

Was Dr. Rimkus als Gynäkologe und Dr. Dr. Beck angeben, sehe ich auch in meinen Beobachtungen: Die extremen Östrogenschwankungen treten tatsächlich erst in einer kurzen Spanne vor der Menopause auf. Ein Arzt ist hier keineswegs „hilflos“, was passende Dosierungen angeht. In den Intensivseminaren von Dr. Rimkus wird genau das besprochen, allerdings nicht am ersten Wochenende. Als ich sie damals besuchte, waren viele Ärzte und Heilpraktiker nur bei einem Wochenende dabei, nicht bei den folgenden, die verschiedenste Bereiche vertieften. Vielleicht ist das ein Grund, weshalb Frauen auf diese Frage manchmal keine Antwort bekommen?

Welche Einteilung der Wechseljahre gilt heute?

Seit 2012 gibt es das Stufenmodell STRAW+10 (Stages of Reproductive Aging Workshop), das die Wechseljahre anhand des Zyklus einteilt:

  • Fruchtbare Lebensphase: Der Zyklus ist regelmäßig. Auch in der späten Phase bleibt er regelmäßig oder wird etwas kürzer, mit leichten Veränderungen bei Länge oder Stärke der Blutung. Die Abweichung der Zykluslänge liegt dabei unter sieben Tagen.

  • Früher Menopausenübergang: Die Zykluslängen schwanken anhaltend um mindestens sieben Tage von einem Zyklus zum nächsten, wiederholt innerhalb von zehn Zyklen. Er beginnt im Schnitt sechs bis acht Jahre vor der letzten Blutung.

  • Später Menopausenübergang: Die Blutung bleibt mindestens 60 Tage aus. Er beginnt etwa zwei Jahre vor der letzten Blutung, und hier treten die starken Östrogenschwankungen auf.

  • Menopause: Das ist die letzte Regelblutung. Sie lässt sich nur rückwirkend feststellen, nach zwölf Monaten ohne Blutung.

  • Postmenopause: Sie beginnt danach. Man unterscheidet die frühe Postmenopause (bis fünf Jahre nach der letzten Periode) und die späte Postmenopause.

Was ist mit der Perimenopause, die in aller Munde ist?

Im Modell selbst ist sie keine eigene Stufe. Sie ist aber ein gebräuchlicher Begriff, den die WHO und der Bericht von 2012 verwenden. Sie beginnt mit dem frühen Menopausenübergang und endet zwölf Monate nach der letzten Blutung.

Was zählt für mich: Wie es dir geht, nicht welche Stufe auf dem Papier steht

Eine Stufe sagt wenig darüber aus, wie du dich fühlst. Wenn der Zyklus unregelmäßig wird oder die Blutung sehr stark und schmerzhaft ausfällt, können sich Frauen nicht wohlfühlen. Das ist keine „Normalität“, egal wie oft es behauptet wird.

Ein Blutbild am richtigen Zyklustag ist für mich der sinnvollste Weg, der Sache auf den Grund zu gehen. Die erforschten Wertebereiche von Dr. Rimkus geben dir dabei eine Orientierung, wo du gerade stehst. Letztendlich ist es unwichtig, ob du in der Prämenopause, Perimenopause, im Menopausenübergang oder in der „Sonst-was-Pause“ bist. Ziel ist, dass man sich wieder wie sich selbst fühlst, sich auf jeden neuen Tag freut und den Alltag gut meistern kann!

Was geht in den Jahren vor der Menopause im Körper vor sich?

Zunächst bleiben die ersten Eisprünge aus, das kann bereits ab 30 Jahren beginnen. Die Periode kommt weiterhin, deshalb werden auftretende Beschwerden selten mit Hormonen in Verbindung gebracht. Ohne Eisprung entsteht kein Gelbkörper, und ohne Gelbkörper fehlt das Progesteron. Das Östrogen wird dagegen in gewohnter Menge gebildet. Genau genommen ist es ein Progesteronmangel, auch wenn es immer noch Östrogendominanz genannt wird.

Frauen beschreiben diesen Zustand oft wie ein dauerhaftes prämenstruelles Syndrom (PMS): Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Heißhunger, Brustspannen, Wassereinlagerungen und teils stärkere Blutungen – um nur einige Beispiele zu nennen.

Was ist eine Follikelpersistenz und warum schwankt Östrogen dadurch?

Normalerweise reift in einem Zyklus ein Eibläschen (Follikel) heran und platzt durch den kräftigen Anstieg des Hormons LH auf. Die Eizelle wird freigegeben. Bleibt dieser Anstieg zu schwach oder aus, reift der Follikel weiter, platzt aber nicht. Dieser Vorgang heißt Follikelpersistenz. Er tritt typischerweise in der Perimenopause auf, da Eisprünge dann häufiger „schwächeln“. In dieser Phase können sich die zuvor genannten Symptome verstärkt zeigen.

Der Follikel produziert dabei weiter Östrogen, teils über Wochen. Östrogen springt dadurch auf sehr hohe Werte und fällt später wieder stark ab, auch FSH „redet ein Wörtchen mit“.
Im späten Menopausenübergang wechselt Östrogen somit typischerweise zwischen sehr hohen Spitzen und sehr niedrigen Werten, bei durchgehend niedrigem Progesteron.

Warum bleibt die Blutung manchmal monatelang aus und kommt dann umso stärker?

Ohne den Gegenspieler Progesteron baut Östrogen die Gebärmutterschleimhaut über längere Zeit immer weiter auf. Durch die Spitzen- und Kellerwerte in der späten Perimenopause können mehrere Monate ohne Blutung vergehen. Löst sich die Schleimhaut dann ab, kann das als starke, manchmal sehr schmerzhafte, lang anhaltende Blutung geschehen, aber auch nur als Schmierblutung. Irgendwann reicht die Östrogenaktivität nicht mehr aus, um die Schleimhaut ausreichend aufzubauen. Die Abstände zwischen den Blutungen werden länger, bis schließlich keine Menstruation mehr eintritt.

Können nach der Menopause noch Zysten auftreten?

Ja, auch wenn Follikel längst aufgebraucht sind. Bei Ultraschalluntersuchungen werden bei einem Teil der Frauen kleine, meist einfache Zysten am Eierstock gefunden. In größeren Untersuchungen waren es etwa 7 bis 15 Prozent der Frauen. Das Erstaunliche daran: Nach der Menopause reifen normalerweise keine Follikel mehr heran, trotzdem können kleine Zysten entstehen oder bestehen bleiben. Eine Zyste muss nicht zwangsläufig aus einem Follikel entstehen.

Eine häufige Form sind winzige Einschlusszysten. Sie können im Lauf der Jahre entstehen, wenn sich die Oberfläche des Eierstocks an kleinen Stellen nach innen faltet und dabei Gewebe einschließt. Mit zunehmendem Alter werden sie häufiger gefunden, auch nach der Menopause. Bei Obduktionen wurden außerdem kleine zystische Veränderungen an den Narben früherer Eisprünge gefunden, dazu einfache Zysten und Zysten, die nicht im Eierstock selbst, sondern direkt daneben lagen. Manche Zysten stammen also aus Veränderungen, die schon in den fruchtbaren Jahren entstanden sind, andere hängen mit dem veränderten Gewebe des älter werdenden Eierstocks zusammen.

Solche Zysten können sich auch wieder zurückbilden. In einer großen Untersuchung war nach einem Jahr bei 32 Prozent der Frauen mit einer einfachen Zyste keine Zyste mehr nachweisbar, bei 54 Prozent bestand sie weiterhin.
Vor den Seminaren bei Dr. Rimkus hätte ich keinen „blassen Schimmer“ davon. Heute weiß ich, dass solche Zysten mit erhöhten Östrogenwerten in Verbindung stehen können, dabei auch FSH eine Rolle spielt und vorallem was man zur Balance tun kann.

Die große Mehrheit einfacher Zysten ist gutartig. Trotzdem sollte eine Zyste immer ärztlich beurteilt werden, genauso wie jede andere gesundheitliche Veränderung.

Wie verläuft es beim Mann?

Eher unbemerkt, würde ich sagen. Frauen kennen ihre Zyklusschwankungen und merken schneller, wenn sich etwas verändert. Beim Mann sinken die Hormone ebenfalls ab etwa 30 bis 35 Jahren, aber nur um einen sehr kleinen Prozentsatz pro Jahr, also schleichend. Daher fällt es oft lange nicht auf.

Zeigen sich Auffälligkeiten, gehen sie häufig in Richtung Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und zunehmender Gereiztheit. Sie werden mit Stress und zu viel Arbeit erklärt und enden nicht selten als Burnout-Diagnose. Bei der Frau denkt man bei solchen Symptomen inzwischen immer öfter an Hormonmangel, beim Mann weiterhin selten, außer er hat sich selbst auf die Suche nach Antworten gemacht. Dr. Rimkus berichtet unter anderem in seinem Buch „Der Mann im Wechsel seiner Jahre“ von Fallbeispielen.

Wird beim Mann doch an Hormone gedacht, dann meist nur an Testosteron. Das Fundament besteht aber auch bei ihm aus Östrogen und Progesteron. Wie bei der Frau sinkt zuerst das Progesteron, später das Östrogen. Was bei der Frau Menopause heißt, wird beim Mann übrigens Andropause genannt.

Passend dazu findest du auf meinem Blog:

Prostata & Bauchfett: Warum Testosteron zu kurz gedacht ist

Wechseljahre beim Mann?

Häufige Fragen kurz beantwortet

Was bedeutet Östrogendominanz in der Perimenopause?

Der Begriff beschreibt Östrogen ohne ausreichend Progesteron. Östrogen ist dabei nicht „zu viel“ vorhanden, es ist nur „alleine“. Im Endeffekt handelt es sich um einen Progesteronmangel: Ohne Eisprung entsteht kein Gelbkörper, und ohne Gelbkörper fehlt das Progesteron.

Warum schwankt Östrogen in der Perimenopause so stark?

Eisprünge werden schwächer oder bleiben aus. Dadurch reift ein Follikel weiter, ohne zu platzen (Follikelpersistenz). Er bildet teils über Wochen Östrogen, wodurch der Spiegel sehr hoch steigt und später wieder stark abfällt.

Was ist eine Follikelpersistenz?

Ein Follikel reift weiter, platzt aber nicht, weil der LH-Anstieg zu schwach ist oder ausbleibt. Es tritt typischerweise in der Perimenopause auf.

Wann beginnen die extremen Östrogenschwankungen?

Nach dem Stufenmodell STRAW+10 treten sie im späten Menopausenübergang auf, etwa zwei Jahre vor der letzten Blutung.

Schließen hohe Östrogenwerte einen Östrogenbedarf aus?

Nein. Hohe Östrogenwerte schließen einen Östrogenbedarf nicht automatisch aus.

Können Zysten mit erhöhtem Östrogen zusammenhängen, auch nach der Menopause?

Zysten können auch nach der Menopause vorkommen. Bei etwa 7 bis 15 Prozent der Frauen werden bei Ultraschalluntersuchungen kleine, meist einfache Zysten gefunden. Sie können mit erhöhten Östrogenwerten in Verbindung stehen, und dabei spielt auch FSH eine Rolle. Die große Mehrheit ist gutartig, jede Zyste sollte trotzdem ärztlich beurteilt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Prämenopause und Perimenopause?

Nach der WHO-Einteilung von 1996 ist die Prämenopause die gesamte fruchtbare Lebensphase bis zur letzten Regelblutung. Die Perimenopause beginnt, sobald sich Zyklusveränderungen zeigen, und endet ein Jahr nach der letzten Blutung.

Bitte beachte:
Meine Tätigkeit gehört zu den freien Gesundheitsberufen. Sie dient der Gesundheitsvorsorge und dem Wohlbefinden. Meine Webiste umfasst mein Wissen zur Rimkus-Methode, das ich in Rimkus-Intensivseminaren erlernt habe, die von Dr. Volker Rimkus, Dr. Dr. Thomas Beck und Dr. Eduard Rosler durchgeführt wurden. Ergänzt durch persönliche Informationen der vorgenannten Personen, den führenden Ärzten im Zusammenhang mit der Rimkus-Methode. Zusätzlich meinen umfangreichen Erfahrungsschatz, den ich mir über die Jahre in Bezug auf die Rimkus-Methode angeeignet habe.
Des Weiteren enthält meine Website weitere Inhalte zu verschiedenen Themen auf Gesundheitsvorsorge bezogen.
Tipps betreffen gesunde Lebensführung, Gesundheitsprävention und Resilienz im Alltag. Sie ersetzen keine ärztliche Abklärung oder Behandlung.
Dieser Blog-Beitrag ist keine Empfehlung, keine Therapie und kein Wirkversprechen. Es ist meine persönliche Erfahrung, Beobachtung und Meinung.